30.12.2025
40 Büffel im Winterurlaub
Seit Anfang November sind die Wasserbüffel des Albvorlandes aus ihren Sommerweiden in ihr wohlverdientes Winterquartier umgezogen. Die sommerlichen Einsatzplätze waren zum Beispiel im Naturschutzgebiet Wiestal mit Rauber zwischen Ohmden und Jesingen sowie im Feuchtgebiet Rohrwasen, ein NABU-Projekt in Kooperation mit der Gemeinde Heiningen.
Grund genug, den sympathischen Vierbeinern kurz vor Weihnachten einen kleinen Besuch abzustatten. Die Wasserbüffel-Community aus den Landkreisen Esslingen und Göppingen traf sich auf dem Hof von Familie Frey im idyllischen Salach-Bärenbach, nämlich die für die Büffelaufsicht lokal zuständigen Landwirte und über zehn ehrenamtlich Aktive der NABU-Gruppe Teck und NABU-Gruppe Mittleres Filstal und Lautertal.
Die Büffel gehen ins Winterquartier in einem festen Stall, um ihre Gesundheit und das Wohlbefinden während der kalten Jahreszeit zu gewährleisten. Sie leben dort in einer geschützten Umgebung, in der sie Futter, Ruhe und Pflege erhalten.
Der Gesamtbestand der Büffel in diesem Stall und auf der nahen Winterweide beträgt etwa 40 Tiere. Die älteste Büffeldame ist fast 20 Jahre alt; Reiner Frey holte sie als erstes Tier seiner Herde aus Rumänien. Sie ist immer noch topfit und bekommt jedes Jahr ein Kalb. Ihr hohes Alter kann man auch an ihren inzwischen riesigen, leicht nach hinten gebogenen Hörnern erkennen. Zwei Büffelbullen sind mit von der Partie, um den Nachwuchs der Herde zu sichern.
Reiner Frey baute einen neuen Büffelstall, der erst vor wenigen Wochen im Endzustand fertiggestellt wurde. Die Bauform dieses einzigartigen Stalles ist optimal dem Tierwohl der Wasserbüffel angepasst: Eine tiefe Stroheinstreu sorgt für stets trockenen und warmen Untergrund, auf dem die Tiere gerne liegen. Zugleich ist die vorgelagerte Futterfläche überdacht, trocken und wettergeschützt. Es riecht hier überhaupt nicht nach Stall, sondern nur nach frischer Albluft und Heu.
Die Baustoffe des Stalles stammen zum großen Teil aus wiederverwendetem Baustellenmaterial der Region. Das Holz der Bretterwände und Holzständer stammt aus familieneigenem Wald; jedes Stück Holz der Baustelle wurde von der alteingesessenen Bauernfamilie selbst zugesägt.
Die Haltung der Büffel ist naturnah: Ein Teil der Tiere steht bei geeigneter Witterung auf den Weiden gleich hinter der Hofstelle, auch im Winter. Kein Problem für die mächtigen Vierbeiner, die durch eine dicke Fettschicht vor Kälte geschützt sind. Wasserbüffel erweisen sich in Mitteleuropa als sehr robust und widerstandsfähig gegen Krankheiten und raue Witterung. Büffel entwickeln zudem ein dichtes Winterfell und vertragen problemlos Temperaturen bis minus 25 Grad Celsius.
Die Tiere erhalten abwechslungsreiches Futter aus Wiesenheu, manchmal Grassilage und Streue. Die Mutterkühe geben bei guter Grundfütterung genügend Milch und die Kälber nehmen über die Milch und das Futter ausreichend Nährstoffe auf. Täglich wandern eineinhalb große Heu-Rundballen in die Mägen der Büffel.
Die Büffel sind umgänglich und werden schnell futterzahm, selbst die Bullen. Gern lassen sie sich streicheln und jedes Tier hat seinen eigenen Namen.
Reiner Frey berichtet von interessanten Verhaltensbeobachtungen bei seinen Büffeln: Selbst im Winter wühlen sie öfter mit ihrem imposanten Gehörn den strohigen Untergrund im Stall tief auf. Offenbar ist das ein Relikt ihres angeborenen Dranges, eigene Wasserkuhlen in feuchten Wiesen anzulegen.
Sobald Ende April der Frühling wieder anbricht und der Graswuchs einsetzt, werden die Wasserbüffel in ihrem gewohnten Gruppengefüge in ihre Sommerlebensräume zurückkehren. Im Jesinger Wiestal haben sie dort schon sehr zur Erhöhung der Artenvielfalt beigetragen.
Das Treffen klang am frühen Abend mit heißen Büffel-Roten und winterlichen Getränken gesellig aus. Welch ein herrlicher Sonnenuntergang mit Blick auf den Albtrauf und die mit Buchen bestandenen Hangwälder des Bärenbachtals.
Übrigens, die Beweidung von Grünland mit Wasserbüffeln hilft, viele Umweltprobleme auf einfache und kostengünstige Weise zu bekämpfen. Probleme, die durch zu intensive landwirtschaftliche Nutzung entstanden. Die Büffelbeweidung trägt zur Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität, Kohlenstoffspeicherung und Wasserqualität bei, was sie zu einer nachhaltigen und umweltfreundlichen Alternative zu konventionellen Weiden und Wiesen macht.
Text: Klaus Lang
Bilder: NABU-Gruppe Teck, A. Heiss, K. Lang
11. November 2025
Weideabtrieb der NABU-Wasserbüffel
Nach der glücklich und gesund verlaufenen Weidesaison 2025 dürfen die Wasserbüffel nun in ihr Winterquartier bei Bauer Rainer Frey in Salach. Sie wurden letzten Sonntag von zwei sehr stabilen Tiertransportanhängern abgeholt.
Auf den Fotos sieht man die letzten Momente der Büffel auf ihrer geliebten Wilden Weide im Jesinger Wiestal und das Einsteigen der Tiere in die Transporter, begleitet durch die Teams von Reiner Frey und Alexander Lang.
Die sechs jungen Büffeldamen haben mit ihren zwei oder drei Jahren noch nicht das Alter für eigenen Nachwuchs. Die gesunde Kost in den Feuchtwiesen bekam ihnen aber so gut, dass sie kräftig an Gewicht, Gehörnlänge und Muskelmasse zulegten.
Ökologisch gesehen wird das Wiestal durch die Wilde Weide jedes Jahr immer besser. Die Artenvielfalt an Pflanzen, Säugetieren, Insekten und Vögeln nimmt immer mehr zu.
Das seltene Schwarzkehlchen hat dieses Jahr wieder erfolgreich im Gebiet gebrütet. Sumpfrohrsänger, Neuntöter und Feldschwirl hatten auch ein gutes Jahr. In den vielen selbst gegrabenen Wasser- und Schlammkuhlen der Büffel legt der Grasfrosch seine Laichballen ab.
Der NABU hat im Naturschutzgebiet „Wiestal mit Rauber“ seit 1976 mit Spenden und Eigenmitteln rund 60 Wiesenparzellen erworben, mit einer Gesamtgröße von etwa zehn Hektar. „Eigentum ist der beste Naturschutz, weil wir als Eigentümer der Flächen die wirkungsvollsten Maßnahmen ergreifen können“, betont Dieter Ilg. Der NABU sucht stets neue Flächen zu kaufen.
Bilder/Text: NABU-Gruppe Teck, K. Lang
05.10.2025 - Wasserbüffel im Herbstnebel
Bilder/Text: NABU-Gruppe Teck, K. Lang
04. Mai 2025 - Büffelauftrieb im Wiestal
Das ist der Start in die Weidesaison 2025. In zwei Anhängern kommt die Büffelherde aus ihrem Winterquartier bei Bauer Rainer Frey/Salach ins Wiestal.
Bilder: K. Lang
Bericht in "Naturschutz heute" Herbst 2024 über das Projekt
Bilder/Text: NABU-Gruppe Teck, K. Lang und D. Ilg
Update 22.04.2024 - Beginnende Weidesaison im NSG Wiestal mit Rauber
Seit heute sind die Wasserbüffel wieder auf unser Koppel im Wiestal. Es sind 8 Jungtiere im Alter von ca. 18 Monaten. Zwei der Tiere waren bereits im letzten Jahr als Kälber mit ihren Müttern auf der Koppel. Das Abladen der Tiere an der Straße um die MIttagszeit hat hervorragend geklappt und war innerhalb kurzer Zeit erledigt.
Bilder: NABU-Gruppe Teck, Dieter Ilg
Wasserbüffel im NSG Wiestal mit Rauber - Update 30.03.2024
Derzeit laufen in dem Naturschutzgebiet zwischen Jesingen und Ohmden auf der von uns im vergangenen Jahr eingerichteten Koppel die Vorbereitungen für die diesjährige Weidesaison.
Voraussichtlich ab Ende April werden mindestens 6 Jungtiere (18 Monate alt) ihren Dienst für mehr Biodiversität auf der 6,5 ha großen Fläche tun und bis mindestens Oktober des Jahres anwesend sein.
Bild: NABU-Gruppe Teck
Wasserbüffel jetzt im Winterquartier
Seit Ende April waren die Tiere auf unserer Koppel im Wiestal und wurden Mitte November nach mehr als 200 Tagen der Beweidung eingefangen und in ihr Winterquartier nach Bärenbach bei Salach im Kreis Göppingen gebracht. Die Anfangs 4 Alttiere mit 2 Kälbern haben auf der 6,5 ha großen Fläche ein strukturreiches Vegetationsmosaik mit zwischendurch kurzrasigen Nasswiesenbereichen aber auch Rohbodenbereichen geschaffen.
Zwar sind die Wasserbüffel sehr robust und anpassungsfähig, würden aber in den Wintermonaten auf dieser Fläche zu wenig Futter finden. Die Fläche ist für eine Ganzjahresbeweidung zu klein und folge dessen wäre eine Zufütterung erforderlich. Auch die akkubetriebenen Weidezäune kriegen zu wenig Strom, wenn die Tage kürzer werden. Die Hütesicherheit könnte dann nicht mehr gewährleistet werden.
Außerdem lieben es die Wasserbüffel zu baden, allerdings erst ab Lufttemperaturen um die zwanzig Grad.
Diesem Vergnügen dürfen die Tiere dann ab April nächsten Jahres zur nächsten Weidesaison wieder nachgehen.
Bilder: NABU Teck Dieter Ilg
Filmaufnahmen des SWR bei den Wasserbüffeln im NSG Wiestal mit Rauber
Ein Filmteam von der SWR-Sendereihe „Natürlich“ war am Mittwoch 24. Mai 2023 zu Aufnahmen
bei unserer Beweidung mit Wasserbüffeln in Jesingen.
Die Moderatorin Tatjana Geßler war zusammen mit Klaus Lang aus unserer Gruppe und mit Rainer Frey
dem Besitzer der Tiere auf der Koppel zum Gespräch unterwegs.
Die Ausstrahlung des entstandenen Filmes war am 13. Juni 2023 um 18 15 Uhr. Danach ist der Film in der Mediathek zu finden.
Bilder: NABU Teck D. Ilg
Extensive Beweidung mit Wasserbüffel im Wiestal
Die Wasserbüffel sind da! Das Beweidungsprojekt im NSG Wiestal zwischen Jesingen und Ohmden startete.
Das Naturschutzgebiet Wiestal mit Rauber ist dank seiner vielfältigen Lebensräume von überregionaler Bedeutung und ein Teil des europäischen Schutzgebietnetzes NATURA 2000.
Auf einer 6,5 ha großen überwiegend eigenen Fläche weidet seit Anfang Mai eine kleine Wasserbüffelherde in der feuchten Talaue zwischen Jesingen und Ohmden.
Ihre Aufgabe: Fressen und Suhlen für die Artenvielfalt.
Die Einrichtung der Beweidung im Wiestal wurde mit Mitteln der Stiftung Naturschutzfonds aus Ersatzgeldern für Eingriffe in den Naturhaushalt im Landkreis Esslingen finanziert. Einen Eigenanteil von zehn Prozent haben wir als NABU-Gruppe beigesteuert. Außerdem tragen wir die laufenden Beweidungskosten.
Gerne können Sie die Tiere besuchen. Allerdings ist dies nur mit einer gewissen Distanz möglich. Es gibt keinen Zugang zur Koppel und im Naturschutzgebiet ist das verlassen der Wege verboten.
Bilder: NABU Teck S. Malter / D. Ilg