Oktober 2018

 

Rechenarbeiten zum Schutz der Heide in Lenningen

Unter Leitung von Holger Scherzinger, im Vorstand des NABU Teck für die Biotoppflege zuständig, fand am 20.10.2018 einer der letzten Arbeitseinsätze in diesem Jahr statt. Auf der vom NABU zusammen mit Biobauer Kächele betreuten Fläche unterhalb der Sulzburg in Lenningen kamen wir zusammen, das Mähgut zu rechen und auf Planen den Hang hinab zu ziehen.

Das warme Wetter erfreute nicht nur die freiwilligen Helfer, auch so manches Insekt war noch zu sehen. Bläulinge und Wildbienen sammelten den spärlichen Nektar der letzten Skabiosen-Flockenblumen. An diesem Samstag stand die Pflege der Heidelandschaft an. Charakteristisch für diese Heide ist ein magerer basischer Boden, der eine spezielle Flora und Fauna hervorbringt. Dieses Stück Magerrasen beherbergt seltene Pflanzen wie das Waldvögelein, den Kammwachtelweizen und Sommerwurze, aber auch die spät blühende Berg-Aster (auch Kalk-Aster genannt). Das letzte blühende der vielen Sichelblättrigen Hasenohren streckte sich den Besuchern entgegen. Die Fläche ist besonders charakteristisch für ihre vielen mahdempfindlichen Spätblüher und unterscheidet sich dadurch von den beweideten Wacholderheiden und den klassischen im Hochsommer gemähten Kalkmagerrasen (Orchideenwiesen). Trotzalledem muss die Fläche zu einem großen Teil im Herbst gemäht werden, um die vielen Gehölzausschläge unter Kontrolle zu halten und schwer zersetzliche Grasstreu zu entfernen.

Der zähe Nebel riss an diesem Nachmittag allmählich auf. Der Gelbe Fels erschien im milden Sonnenlicht. Der Wald deutete seine Pracht in den Herbstfarben von warmen Ockertönen bis zum tiefen Weinrot an. Die Schönheit des herbstlichen Albtraufs ließ sich nur erahnen. Der wilde Oregano verlieh der Tage zuvor gemähte Heide seinen spezifischen Duft.

Nach der Arbeit bot Holger Scherzinger den Interessierten ein Besuch der nahen Sulzburg an. Die Ruine wurde von den Bürgern von Lenningen wieder aufgebaut und wird leider durch den starken Waldbewuchs verdeckt. Wie stark selbst die Wurzeln kleinster Pflanzen sind, zeigt sich in dem Bewuchs der Burgmauern. Selbst in kleinsten Lücken wächst und blüht es und erfreut nicht nur Hobbyfotografen.

Den Schlusspunkt dieses Arbeitseinsatzes bildete der Besuch eines Feuchtbiotopes mit Niedermoorcharakter am Fuße der Sulzburg auf dem Sattel zur Alb. Auch hier ist der NABU Teck in Zusammenarbeit mit dem Biobauern Kächele tätig. Neben einer Vielfalt an heimischen Moor- und Wasserpflanzen bekamen die Besucher kleine Gelbbauchunken sowie große und kleine Grasfrösche zu sehen. Dieser herrliche Tag wird allen Beteiligten lange in Erinnerung bleiben. Wer im nächsten Jahr bei derartige Pflegemaßnahmen mithelfen möchte, ist herzlich eingeladen. Die Termine finden Sie auf diesem Internetauftritt unter Termine Arbeitseinsätze.

 

 

April 2018

 

Altes Wissen und bunte Blumen

 

 

Auch dieses Jahr fand die botanische Führung anlässlich des Kirschblütentages von Janina Lang viel Interesse. Im Mittelpunkt standen Pflanzenfamilien.

Auf unserer Wanderung haben uns besonders die mannigfaltigen Arten aus der Familie der Hahnenfußgewächse beeindruckt, zu denen viele typische Frühblüher wie die Buschwindröschen (Anemone nemorosa) , das gelbe Windröschen (Anemone ranunculoides)) und die typischerweise mit gelbem leuchtenden Fettglanz auffallenden Blüten des Scharbockskrautes (Ranunculus ficaria) und der Sumpf-Dotterblumen (Caltha palustris) gehören. Auch die Gattung „Hahnenfuß“ mit dem typischen Frühjahrsblüher „Gold-Hahnenfuß“ (Ranunculus auricomus) und den gerade erscheinenden Arten wie „Scharfem Hahnenfuß“ (Ranunculus acris) sowie „Knolligem Hahnenfuß“ (Ranunculus bulbosus) waren zu bestaunen. Alle Hahnenfußgewächse enthalten Protoanemonin und sind daher giftig.

Es war spannend zu erfahren, dass sich viele der altbekannten Namen der Pflanzen aus ihrem Verwendungszweck herleiten lassen. So hat sich der Begriff Butterblume aus der Butterherstellung ergeben. Die Blüten der meist giftigen Hahnenfußgewächse verliehen dem so beliebten Nahrungsmittel ihre schöne gelbe Farbe.

Wildpflanzen haben in der Vergangenheit immer eine besondere Bedeutung gehabt. Sie waren eine willkommene Ergänzung der kargen, vitaminarmen Kost der armen Landbevölkerung. Ja, sie können sogar Mangelerscheinungen bekämpft wie den zu Entdeckerzeiten häufig tödlich endenden Skorbut.  Die jungen Blätter des Scharbockskrauts wirken aufgrund ihres hohen Vitamin-C Gehaltes dieser Krankheit entgegen. Einige Quellen sehen in den Namen Scharbock die altertümliche Bezeichnung für Skorbut.  

Selbst die archaischen wirkenden Sporenträger des vielseitig einsetzbaren Schachtelhalms waren schon zu sehen. Diese sind im Gegensatz zu den später erscheinenden infertilen Sprossen, bleich, da sie kein Chlorophyll enthalten. Die Schachtelhalme sind überlebende Fossilien. Sie prägten bereits die Steinkohlewälder des oberen Devons. Die blutstillende Wirkung kannten schon die alten Griechen. Pfarrer Kneipp nutzte seine entzündungshemmenden Wirkstoffe, die Hausfrauen benutzen das kieselsäurehaltige Gewächs zum Reinigen des Zinns. Als natürliches Pflanzenschutzmittel erfreut sich die Pflanze heute zunehmender Beliebtheit.

Wildpflanzen genießen heißt vor allem, giftige Pflanzen von essbaren zu unterscheiden. Dieses Wissen ist leider zunehmend in Vergessenheit geraten. Heute werden vielerorts professionelle Wildpflanzenführungen angeboten. Dieses Angebot empfiehlt sich auf jeden Fall für Interessierte, die sich nur wenig mit Pflanzen beschäftigt haben. Aus Sicht des Naturschutzes sollte jedoch bedacht werden: Intakte Flächen mit einer besonderen Artenvielfalt sind zu seltenen Kleinoden geworden, die es zu bewahren gilt. Daher sollte das Wildsammeln von Kräutern mit Bedacht erfolgen. Vorzugsweise sollten Wildkräuter im eigenen Garten gesammelt werden. Auch die Duldung einiger „Unkräuter“ im eigenen Garten trägt immens zum Artenschutz bei. „Unkräuter“ wie beispielsweise Knoblauchsrauke oder Brennnesseln sind als Raupenfutterpflanzen geradezu überlebenswichtig für viele Schmetterlingsarten.

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